Shades of Grey – Geheimes Verlangen

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Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass die Meinungen über dieses Buch sehr weit auseinander gehen.

Zum Großteil kann ich es gut nachvollziehen, dass diejenigen, die sich in der Szene besser auskennen, dieser Roman weniger liegt, während andere, die zum ersten Mal einen Einblick erhaschen – davon eher angetan sind. Das Gefühl, man könnte doch mal wieder etwas Esprit ins Schlafzimmer bringen, liegt hier nahe.
Statt des Taschenbuchs habe ich diesmal zum Hörbuch gegriffen.
Ich muss gestehen, ich habe mich ziemlich gut unterhalten. Die Stimme von Marete Brettschneider passt hervorragend zu Ana Steele. Mit ihrer sehr jungen Stimme nimmt man Ana die Jungfräulichkeit sowie die kindliche Neugierde, auf das was Christian „wohl als nächstes mit ihr anstellen wird“ ohne wenn und aber ab.
Der Emailverkehr zwischem Mrs. Steele und Mr. Grey hat mir sehr gut gefallen. Spritzig mit viel Zweideutigkeit entlockte er mir immer wieder ein Lächeln.
Auch Christians doppeldeutige Aussagen, die bei Ana zu Missverständnissen führten, ließen mich Schmunzeln.
Christian Grey ist für mich ein spannender Charakter und ich bin doch neugierig, wie es um ihn steht.
Allerdings hätte ich mir gern ein anständiges Lektorat für diesen Roman gewünscht, denn den Meinungen über die vielen Wiederholungen kann ich mich nur anschließen. Das hätte ein Lektor bestimmt moniert, denn nach dem dritten Mal – wie Christian aussieht, oder wie sehr wieder ihre Kopfhaut prickelt – ging es mir ebenfalls auf den Geist. Schwärmerei hin oder her, da hätte man einiges streichen können.
Hätte ich das Buch gelesen und nicht gehört, es wäre spätestens beim vierten Mal in der Ecke gelandet.
Doch als Hörbuch wurde ich durch Marete Brettschneiders Darbietung immer wieder dazu verführt, weiter zu hören.
Shades of Grey – Geheimes Verlangen ist seichte Unterhaltung für nicht zu anspruchsvolle Hörer/-innen bzw. Leser/-Innen und bekommt von mir 3 Sterne.
Und ja, ich werde Teil 2 ebenfalls hören.
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Tagebuch Teil 6

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Hilfe! Bin ich noch normal?

Seit Shades of Grey die Frauen massenweise ans Buch fesselte, der Partner kurz davor war ihnen den Hintern zu versohlen, weil sie die Schmöker einfach nicht aus der Hand legen konnten, ist BDSM in (fast) aller Munde.

Ich selbst konnte mich dem Sog ebenfalls nicht entziehen und wurde neugierig auf diese Art der Sexpraktiken. Zumindest, wie sie in den Büchern dargestellt wurden.
Schließlich kamen mir in den vergangenen Jahren nur Gerüchte zu Ohren und keine Beschreibungen, wie es nun in vielen Erotik-Thrillern und Romanen der Fall ist.
Doch inzwischen bin ich ein wenig genervt. Und da ich nun einmal keine Expertin in dieser Szene bin, würde es mich interessieren, ob tatsächlich jeder Mann, der BDSM praktiziert, groß, muskulös, reich, gutaussehend und verständnisvoll ist.
Dieser Stereotyp scheint wohl der Vorzeigemann dieser Geschichten zu sein.
Die Protagonistinnen hingegen sind häufig unerfahren was BDSM-Praktiken betrifft. Voller selbstzweifel fragen sie sich, ob sie noch ’normal‘ sind, wenn sie sich diesen Spielen hingeben, das Zufügen von Schmerzen ihre Lust entfacht und sie in einem Meer von Orgasmen versinken läßt.

Seit 80 Days, Christian Grey und Co., ist der dominante Mann wieder Inn.
Zumindest, was das Liebesleben anbelangt.
In der Arbeitswelt hingegen, steht die Frau gern ihren „Mann“.
Märchen für Erwachsene, würde ich diese Literatur bezeichnen . – Dies bitte nicht missverstehen 😉

Jeder Mann und jede Frau träumt von dem ultimativen Partner, der ihnen den Himmel auf Erden bereitet  – und nicht nur verspricht -, bestenfalls dazu ein erfülltes Leben bietet.
Diese Bücher finden einen reißenden Absatz und inzwischen frage ich mich, ob in den meisten Beziehungen tatsächlich nur Blümchensex stattfindet oder die Pärchen schon längst nicht mehr so bieder sind, und in den Schlafzimmern ganz andere Wege gegangen werden.
Zugegeben, ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, meinen Mann einmal darauf anzusprechen. Doch bisher fehlte mir immer der Mut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass schmerzhafte Schläge die Libido auf Hochtouren bringt.
Wie ich schon sagte, ich habe es auch noch nicht versucht. Und wie pflegte meine Mutter immer zu sagen:
Du weißt es immer erst dann, wenn du es ausprobiert hast.
Doch in diesem Fall siegt wohl eher die Angst in mir, hebt  mahnend den obligatorischen Zeigefinger und warnt mich davor, mich nicht auf dieses Abenteuer einzulassen.
Ein Punkt steht bei mir auf jeden Fall auf der „Haben-Seite“: Mein Mann ist muskulös, zärtlich, verständnisvoll und gutaussehend. 🙂
Ich weiß, ich bin subjektiv. Doch als seine Frau, nehme ich mir das Recht heraus.
Ich bin halt ein böses Mädchen. 😉

Mit den Romanfiguren ist es nicht anders. Manch einer der männlichen Protagonisten, der im Buch als toll aussehend beschrieben wird, trifft schließlich auch nicht immer meinen persönlichen Geschmack.
So zum Beispiel Guidion Cross aus der Buchserie „Crossfire“.
Männer mit längeren Haaren sind nicht mein ‚Ding‘. Zum Glück hat jede Frau ihre eigenen Vorlieben, ansonsten wäre die Welt nicht so vielfältig und aufregend.

Der Grund, weshalb ich heute – uups, heute ist ja der 06.06. – darüber schreibe… Nun …
Kürzlich wurde ich in eine Situation katapulitiert, die diese Gedanken in mir ausgelöst hat.
Ich hatte gerade meine Mittagspause beendet und war auf dem Weg zurück ins Büro.
Ich stieg aus dem Bus,  als ich sah, wie neben der Bushaltestelle ein kleines Fotoshooting stattfand.
Ich selbst habe den alten Brunnen, der in einer Steinmauer eingelassen ist, schon mehrmals fotografiert, da er einfach ein schönes Motiv abgibt.
An diesem Tag lenkte eine junge Frau meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie hatte sehr schöne Unterwäsche an … und war gefesselt.
Die Fotografin gab gerade einige Anweisungen an ihren Assistenten. Er hob das gut verschnürte Model hoch, setzte sie in den Brunnen, der zu diesem Zeitpunkt kein Wasser trug, und fixierte ihre Hände und Füße zusätzlich an den Wasserhahn.
Als er fertig war, fragte er das Model, ob es so ginge und sie lachte und nickte.
Was mich jedoch am meisten beeindruckte, war die Freude und der ausgelassene Enthusiasmus mit denen das 3-Köpfige Team bei der Arbeit war.
Offensichtlich hatte jeder Spaß.
Ich hätte gern länger Mäuschen ‚gespielt‘, doch leider war meine Zeit rum, und ich musste an den Schreibtisch zurückkehren.

Klingt nun wie ein Klischee, was?
Büromaus mit erotischen Träumen …

Es ist ein unerschöpfliches und spannendes Thema. Leider werde ich mir selbst darauf keine Antworten geben können.

Doch eines weiß ich mit Bestimmtheit: Ich bin normal. Auch dann, wenn ich meinem Tagebuch diese Gedanken anvertraue. Sie niederschreibe und meine Neugierde auf dieses Thema trotzdem unbefriedigt bleibt.
Wäre es nicht der Fall, könnte ich keine Geschichten schreiben und Sie, lieber Leser oder liebe Leserin, könnten an meinen Gedanken nicht teilhaben.

Ja. Ich bin normal!
So normal, wie jeder von uns, denn ich bin bestimmt nicht das einzige Wesen auf diesem Planeten mit diesen Gedanken.

Doch eine Frage lässt mich noch immer nicht los.
Wie ist das wirklich mit dem BDSM?
Gern würde ich mich mal mit jemanden darüber unterhalten.

Oder ist es noch immer ein Tabu-Thema?

Maren G. Bergmann

Noch eine Highschool Story….

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Am Samstag Mittag machte ich es mir auf dem Sofa bequem und nahm ein Buch in die Hand, das ich erst kürzlich erworben hatte.

Als die Dämmerung einsetzte, kam mein Mann die Treppe herunter, um nach mir zu sehen. Ich war ihm zu ruhig und er befürchtete, dass mir etwas zugestoßen sei. Vorsichtig steckte er den Kopf um die Ecke, und als er das Wohnzimmer betrat, bot sich ihm ein Bild, das er eher selten von mir zu Gesicht bekommt.
Die Augen starr auf die Zeilen gerichtet, saß ich steif auf dem Sofa und las. Ich bekam noch nicht einmal mit, als er mich das erste Mal ansprach und mich nach unseren abendlichen Plänen fragte.

Bisher gab es nicht viele Bücher, die es geschafft haben, mich über mehrere Stunden zu fesseln. Doch von dieser Story konnte ich mich einfach nicht lösen.

Auf den ersten Seiten war ich noch nicht überzeugt, da ich vermutete, es würde sich hier um einen High-School Roman handeln: Teenies, im prüden Amerika, steuern auf ihren Schulabschluss zu. Vermutlich würde die Feier von irgendwelchen Rowdies oder Terroristen oder hirngeschädigten Individuen gesprengt. Schließlich sollte es ja ein Thriller sein, mit Horroreffekt.
Meine Fantasie assoziierte damit sofort bunte Bilder à la Hollywood, kreischende Teenager, gewürzt mit einer Extraportion Blut. Dennoch spürte ich bereits auf den ersten Seiten, dass es hier nicht ganz der Fall sein konnte.

Jimmy, ein Junge, der in einer intakten Familie aufwächst, gut mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder auskommt, intelligent und gut aussehend ist, soll ein Außenseiter in der Schule sein? Das kam mir doch sehr suspekt vor.

Ich erzähle dir kurz den Inhalt – ohne Spoileralarm:

Jimmy, ein Junge kurz vor seinem Schulabschluss, steht auf BDSM und besitzt davon eine Videosammlung. Genauer gesagt steht er auf Frauen, die man an den Handgelenken aufhängt, und er bei deren Anblick seine sexuellen Höhepunkte zu Tage fördert.
Er entführt Samantha King, ein Mädchen, das auf seine Schule geht, und lebt diese Fantasie aus, die für Samantha die Hölle auf Erden birgt.
Als schließlich die beste Freundin von Samantha King Jimmy ebenfalls in die Hände fällt, ist es fast unmöglich, das Buch noch aus der Hand zu legen.
Da wirkt selbst die Romanze, die sich zwischen Jimmy und Tina entwickelt, nicht aufgesetzt oder störend.

Wer hier an die BDSM-Spiele, wie sie in Büchern wie Shades of Grey oder 80 Days denkt, wird lange danach suchen müssen. Gegen Jimmy sind diese Bücher romantisches Geplänkel.

Für Jimmy hat der Autor gut recherchiert, was geschehen kann, wenn ein Mensch über einen gewissen Zeitraum an seinen Handgelenken aufgehängt wird. Was mit Körper und Psyche passieren kann. Alles wirkt, als sei es sehr nah an der Realität.

Obwohl hier nichts beschönigt oder abgemildert wird, driftet die Geschichte nicht in einen Splatter Roman ab.

Wer es gern ein wenig realer mag, ohne viel Fiktion, kann beherzt zu diesem Buch greifen.

Jimmy, ein BDSM-Thriller von William Malmborg – Genau meine Kragenweite.

Maren G. Bergmann