Tagebuch – Teil 7

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Liebes Tagebuch!

Heute habe ich einen ganz besonderen Eintrag. Es geht um einen

ROMAN

Ich hatte sehr lange mit mir gehadert, ob ich einen Roman schreiben sollte. Was also, hatte mich dazu bewogen?

Zum einen, die Geschichte an sich. Meine Protagonisten Christin Palmer und Vincent Bell sind so unterschiedlich, wie sie es nur sein können. Daraus eine Kurzgeschichte zu machen, wäre unmöglich gewesen.
Oder, ich hätte mich für einen „Groschenroman“ entschieden, mit kurzen abgeschlossenen Sequenzen. Ob das der Geschichte gut getan hätte, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Weshalb?

Seit fast einem viertel Jahr schon ist „Die dunkle Seite des Glücks“ auf dem Markt. Die ersten Reaktionen haben mich mehr als positiv überrascht. Fast fühle ich mich überrumpelt, von der tollen Resonanz, die ich noch gar nicht wirklich begreife.

Da fallen Worte wie:

Überraschend, spannend, gut 🙂

oder

Ein schönes Buch, für eine tolle Lesezeit

oder

Personenschützer Vincent, das ist seine Story!

oder

Spannend bis zur letzten Seite

Letzteres überraschte mich doch sehr, ist der Roman doch eher in dem Genre Liebesdrama, als dem Thriller angegliedert. 😀
Natürlich hat er  spannende Passagen, denn das Leben ist nun einmal spannend. Vermutlich sah die Leserin das ähnlich.
Hatte ich zu Beginn noch meine Zweifel, so haben mich diese Anmerkungen so sehr berührt und mir eine Welt aufgezeigt, in der ich bisher noch nicht gewagt hatte, einen Fuß zu setzen.

Nun trage ich mich mit dem Gedanken, dass mehr an der Geschichte sein könnte, als man vielleicht annimmt …

Aber … Liebes Tagebuch, pssst! Nichts verraten! 😉

Maren G. Bergmann

 

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Tagebuch Teil 6

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Hilfe! Bin ich noch normal?

Seit Shades of Grey die Frauen massenweise ans Buch fesselte, der Partner kurz davor war ihnen den Hintern zu versohlen, weil sie die Schmöker einfach nicht aus der Hand legen konnten, ist BDSM in (fast) aller Munde.

Ich selbst konnte mich dem Sog ebenfalls nicht entziehen und wurde neugierig auf diese Art der Sexpraktiken. Zumindest, wie sie in den Büchern dargestellt wurden.
Schließlich kamen mir in den vergangenen Jahren nur Gerüchte zu Ohren und keine Beschreibungen, wie es nun in vielen Erotik-Thrillern und Romanen der Fall ist.
Doch inzwischen bin ich ein wenig genervt. Und da ich nun einmal keine Expertin in dieser Szene bin, würde es mich interessieren, ob tatsächlich jeder Mann, der BDSM praktiziert, groß, muskulös, reich, gutaussehend und verständnisvoll ist.
Dieser Stereotyp scheint wohl der Vorzeigemann dieser Geschichten zu sein.
Die Protagonistinnen hingegen sind häufig unerfahren was BDSM-Praktiken betrifft. Voller selbstzweifel fragen sie sich, ob sie noch ’normal‘ sind, wenn sie sich diesen Spielen hingeben, das Zufügen von Schmerzen ihre Lust entfacht und sie in einem Meer von Orgasmen versinken läßt.

Seit 80 Days, Christian Grey und Co., ist der dominante Mann wieder Inn.
Zumindest, was das Liebesleben anbelangt.
In der Arbeitswelt hingegen, steht die Frau gern ihren „Mann“.
Märchen für Erwachsene, würde ich diese Literatur bezeichnen . – Dies bitte nicht missverstehen 😉

Jeder Mann und jede Frau träumt von dem ultimativen Partner, der ihnen den Himmel auf Erden bereitet  – und nicht nur verspricht -, bestenfalls dazu ein erfülltes Leben bietet.
Diese Bücher finden einen reißenden Absatz und inzwischen frage ich mich, ob in den meisten Beziehungen tatsächlich nur Blümchensex stattfindet oder die Pärchen schon längst nicht mehr so bieder sind, und in den Schlafzimmern ganz andere Wege gegangen werden.
Zugegeben, ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, meinen Mann einmal darauf anzusprechen. Doch bisher fehlte mir immer der Mut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass schmerzhafte Schläge die Libido auf Hochtouren bringt.
Wie ich schon sagte, ich habe es auch noch nicht versucht. Und wie pflegte meine Mutter immer zu sagen:
Du weißt es immer erst dann, wenn du es ausprobiert hast.
Doch in diesem Fall siegt wohl eher die Angst in mir, hebt  mahnend den obligatorischen Zeigefinger und warnt mich davor, mich nicht auf dieses Abenteuer einzulassen.
Ein Punkt steht bei mir auf jeden Fall auf der „Haben-Seite“: Mein Mann ist muskulös, zärtlich, verständnisvoll und gutaussehend. 🙂
Ich weiß, ich bin subjektiv. Doch als seine Frau, nehme ich mir das Recht heraus.
Ich bin halt ein böses Mädchen. 😉

Mit den Romanfiguren ist es nicht anders. Manch einer der männlichen Protagonisten, der im Buch als toll aussehend beschrieben wird, trifft schließlich auch nicht immer meinen persönlichen Geschmack.
So zum Beispiel Guidion Cross aus der Buchserie „Crossfire“.
Männer mit längeren Haaren sind nicht mein ‚Ding‘. Zum Glück hat jede Frau ihre eigenen Vorlieben, ansonsten wäre die Welt nicht so vielfältig und aufregend.

Der Grund, weshalb ich heute – uups, heute ist ja der 06.06. – darüber schreibe… Nun …
Kürzlich wurde ich in eine Situation katapulitiert, die diese Gedanken in mir ausgelöst hat.
Ich hatte gerade meine Mittagspause beendet und war auf dem Weg zurück ins Büro.
Ich stieg aus dem Bus,  als ich sah, wie neben der Bushaltestelle ein kleines Fotoshooting stattfand.
Ich selbst habe den alten Brunnen, der in einer Steinmauer eingelassen ist, schon mehrmals fotografiert, da er einfach ein schönes Motiv abgibt.
An diesem Tag lenkte eine junge Frau meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie hatte sehr schöne Unterwäsche an … und war gefesselt.
Die Fotografin gab gerade einige Anweisungen an ihren Assistenten. Er hob das gut verschnürte Model hoch, setzte sie in den Brunnen, der zu diesem Zeitpunkt kein Wasser trug, und fixierte ihre Hände und Füße zusätzlich an den Wasserhahn.
Als er fertig war, fragte er das Model, ob es so ginge und sie lachte und nickte.
Was mich jedoch am meisten beeindruckte, war die Freude und der ausgelassene Enthusiasmus mit denen das 3-Köpfige Team bei der Arbeit war.
Offensichtlich hatte jeder Spaß.
Ich hätte gern länger Mäuschen ‚gespielt‘, doch leider war meine Zeit rum, und ich musste an den Schreibtisch zurückkehren.

Klingt nun wie ein Klischee, was?
Büromaus mit erotischen Träumen …

Es ist ein unerschöpfliches und spannendes Thema. Leider werde ich mir selbst darauf keine Antworten geben können.

Doch eines weiß ich mit Bestimmtheit: Ich bin normal. Auch dann, wenn ich meinem Tagebuch diese Gedanken anvertraue. Sie niederschreibe und meine Neugierde auf dieses Thema trotzdem unbefriedigt bleibt.
Wäre es nicht der Fall, könnte ich keine Geschichten schreiben und Sie, lieber Leser oder liebe Leserin, könnten an meinen Gedanken nicht teilhaben.

Ja. Ich bin normal!
So normal, wie jeder von uns, denn ich bin bestimmt nicht das einzige Wesen auf diesem Planeten mit diesen Gedanken.

Doch eine Frage lässt mich noch immer nicht los.
Wie ist das wirklich mit dem BDSM?
Gern würde ich mich mal mit jemanden darüber unterhalten.

Oder ist es noch immer ein Tabu-Thema?

Maren G. Bergmann

Tagebuch Teil 5

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4 Wochen danach

Ach … du … meine … Güte!

Jetzt nur keine Panik. Nicht hyperventilieren und die Fassung verlieren. Das wäre denkbar ungünstig.
Nicht jetzt!

60 Augen starren mich an. 30 Personen, die ihren Blick fest auf mich heften. Jede meiner Bewegung, jedes Zucken meiner Muskeln wahrnehmen.
Mein Herz beginnt zu rasen. Ich spüre, wie es sich mit seinen kräftigen Schlägen langsam meinen Hals hinauf arbeitet. Es ackert hart. So hart, dass ich es mitbekomme, wie es einen Fluchtversuch startet, es kurz davor ist, aus mir herauszuspringen. Ich schlucke. Will so mein Herz wieder herunterschlucken. Es misslingt. Sofort starte ich einen weiteren Versuch, bevor sich meine Kehle gänzlich zusammenschnürt.
Zum Glück. Sonst wäre ich wohl tot umgefallen.

Mein Hirn setzt für einige Stunden aus.
Nein. Es sind nur Sekunden.

Was ist das nur?

Ich schließe kurz die Augen und hole tief Luft, bevor ich die Lider blinzelnd wieder öffne.
Nanu?
Hat sich der Raum verdunkelt? Mein Kopf dreht nach links und sucht verzweifelt nach dem Grund. Ich erblicke einen jungen Mann hinter einer Mauer von futuristisch anmutenden Gerätschaften, und bekomme ein aufmunterndes Nicken vom ihm. Sein Zeigefinger deutet auf meine rechte Hand, die sich auf einmal sehr schwer anfühlt. Schwer wie ein Amboss.
Ich sehe an mir herunter und mein Blick wandert ebenfalls zur Hand. Meine Finger krallen sich fest um einen schwarzen, 20 Zentimeter langen Stock, dessen Ende in einem schwarzen kleinen Ball steckt.  Sie umklammern den Stock sich so fest, als würde mein Leben davon abhängen. Meine Fingerknöchel treten weiß hervor, und die Handfläche beginnt feucht zu werden. Ich suche einen Ausweg und wende meine Aufmerksamkeit der anderen Hand zu.
In ihr halte ich zwei DIN-A 4 Zettel. Meinen Körper durchzuckt ein Schaudern.

Irgendwie muss ich mich beruhigen. Automatisch schreite ich einen Schritt rückwärts. Dann noch einen. Und noch einen, bis ich etwas in meinem Rücken spüre. Ein Stehtisch beendet abruppt meine Aktion, in dem er den Rand seiner kalten Tischplatte in meinem Rücken presst. Hastig drehe ich mich um und erblicke ein Glas mit einer goldenen Flüssigkeit.  Es ist Bier und ich nehme einen großen Schluck aus dem Glas, bevor ich mich der Menschenmenge erneut zuwende.

Um mich herum ist es fast unerträglich still geworden. Nur noch zwei Stimmen, irgendwo hinten, ganz weit weg,  tuscheln, tauschen einige Worte. Die restlichen Stimmen sind verstummt. Sie warten. Warten darauf, was jetzt passieren wird.

Ein Zischen geht durch die Reihen und fordert die tuschelnden Stimmen auf, ebenfalls zu verstummen.

Doch sie hören nicht auf.

Das Zischen wird lauter und das Tuscheln verebbt.

Nun ist es still.

Wann habe ich das letzte Mal geatmet? Ich straffe die Schulter und versuche so, meinen Atem wieder fließen zu lassen. Es gelingt mir tatsächlich. Langsam, so scheint es, nimmt mein Hirn seine Arbeit wieder auf.

Die Hand mit dem Mikrofon wandert hinauf, und verharrt nur wenige Zentimeter vor meinem Mund.

Die Hand mit den Zetteln tut es der rechten Hand gleich. Meine Mundwinkel zucken und verwandeln sich in ein hilfloses Lächeln. Hoffentlich bemerkt niemand, was gerade in mir vorgeht.

Mein Blick schweift über die Menge und ich öffne langsam meine Lippen.

Noch einmal tief einatmen. Dann geht es los und ich beginne, die ersten Sätze des selbst verfassten Textes vorzulesen.

Ich lege eine Zwangspause ein, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, über den soeben vorgetragenen Witz zu lachen.

Dann wird es wieder ruhig im Saal.
Das Licht im Raum ist zu dunkel, sodass ich in der Zeile verrutsche. Plötzlich schnürt sich meine Kehle zu, als ich fortfahren will.

Oh nein! Das darf doch nicht wahr sein!

Blinzelnd suchen meine Augen die Stelle, die ich verloren habe. Buchstaben tanzen wild um mich herum. Ich will sie einfangen!
Sortieren, sodass sie vernünftige Worte ergeben.
Dann besinne ich mich wieder.
Die zwei Sekunden erscheinen mir wie eine Ewigkeit. Laut ausatmend finde ich die Stelle wieder, und fahre fort.

Der Rest des Textes fließt nicht mehr so, wie ich es zuvor geprobt hatte. Meine Stimme ist zittrig. Oder bin nur ich diejenige, die es so empfindet? Irgendwie hat mein Gehirn die restlichen Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur nicht mehr unter Kontrolle. Doch ich mache weiter.

Nach drei Minuten ist der Spuk vorbei und das Geräusch vom einsetzenden Applaus lässt mich aufatmen.

Ein erleichtertes Lachen erfüllt mich.

Es ist vorbei.

Ich ziehe mein Resümee:

Wieso nur, bin ich so verdammt nervös gewesen, als ich den Text vor der versammelten Familie vorgetragen hatte?

Lampenfieber ist normal, und ich kenne niemanden, der sich dem erwehren kann. Zudem hatte ich bereits einige Präsentationen vor Publikum zum Besten gegeben. Es war also nicht das erste Mal. Das Gegenteil ist eher der Fall.

Doch so starke Empfindungen habe ich nur meiner Familie gegenüber.
Die Gefühle saßen so tief in mir, wie man sie nur geliebten Menschen gegenüber aufbringt.
Es ist wohl immer etwas Besonderes, wenn man seinen Eltern, die mit der gesamten Familie und Freunden ihre Goldene Hochzeit feiern, die eigenen Gefühle offenbart und seine Dankbarkeit ausspricht.

Maren G. Bergmann

Tagebuch Teil 4

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Wunschträume 

Wann ist die beste Zeit zum Träumen, oder sich Wünsche zu erfüllen, wenn nicht während der Weihnachtszeit?

Haben Sie einen Traum?
Etwas, das Ihnen am Herzen liegt, doch es wird für immer unerreichbar bleiben?

Bestimmt, denn ich glaube nicht, dass ich die Einzige bin, die sich gern Träume und Wünsche erfüllen möchte.

Dabei bin ich in der glücklichen Lage und habe mir bereits viele meiner Träume erfüllen können. Doch dieser Eine wird für mich wohl immer unerreichbar bleiben.

Warum?
Weil der Traum unbezahlbar ist?

Ich denke, mit Geld kann man vieles kaufen.  Im Moment fehlen mir dazu allerdings die nötigen Mittel. Dennoch wäre das kein Hindernis.
Nein. Daran liegt es nicht.

Weil er vielleicht unrealistisch ist?
Das passt schon eher ins Profil.
Dabei wurde mein Herzenswunsch erst  1998 ins ewige Reich der Träume verbannt. Davor hätte ich vielleicht eine klitzekleine Chance gehabt.

Chance vertan – werden Sie jetzt sagen.
Schon möglich.

Als ich 1987 die Flugtage auf Ramstein besuchte – es war das Jahr bevor sich das tragische Unglück ereignete – ging das Gerücht herum, dass eine SR 71 ebenfalls auf dem Gelände stehen sollte.

Ich packte meinen Fotoapparat ein und ging mit klopfendem Herzen über das Gelände.

Es gab dort viele Jets, unter anderem sogar eine Harrier, zu sehen. Doch auch, nachdem ich bereits über zwei Stunden lang das Gelände erkundet hatte, bekam ich keine ‚Blackbird‘ vor die Linse.

Damals galt der Überschalljet mit einer Reisegeschwindigkeit von Mach 3 noch als Geheimwaffe und durfte nicht öffentlich präsentiert werden. Zumindest war das die Erklärung, die mir ein damaliger Freund, der bei der Bundeswehr in Ramstein stationiert war, gab.
Trotz meines intensiven Drängens ließ er sich nicht erweichen. Wenigstens stand ich nicht allein da, denn niemand von den Besuchern bekam sie zu sehen.
Enttäuscht verließ ich nach der Flugshow das Gelände.

Ich würde zu gern einmal in einer SR-71 mitfliegen. Erfahren, wie es ist, in so einer wunderschönen und eleganten Maschine zu sitzen und die Länder mit 3.500 Kilometern pro Stunde, oder 1.000 Meter pro Sekunde, unter sich vorbeiziehen zu sehen.
Das tolle an der Blackbird war, je schneller sie flog, desto weniger Sprit verbrauchte sie.
Daran sollte sich die heutige Autoindustrie mal ein Beispiel nehmen …

Insgesamt gab es nur 86 Piloten, die die SR-71 fliegen konnten. Ein nicht immer leichtes Unterfangen, stellt man sich einmal vor, wie viel Konzentration bereits ein Formel-1 Rennfahrer benötigt, um den Wagen unter Kontrolle zu halten. Zudem war das Design außergewöhnlich:
ein breiter Rumpf, die lange Nase und die gewaltigen Turbinen, forderten dem Piloten alles ab, um die Maschine zu beherrschen.
Doch wenn man einen wilden Hengst reiten will, nimmt man diese Herausforderung wohl gern an. 😉

Als Material verwendete man beim Bau Titan. Es ist leicht und stabil. Zudem liegt der Schmelzpunkt von Titan bei über 1.600 Grad Celsius. Ist also wie geschaffen für die Verwendung im Flugzeugbau, bedenkt man, dass die Außenhaut schnell mal über 400 Grad Celsius Reibungshitze ertragen muss.  Dumm nur, dass dieses Material sehr selten und somit sehr teuer ist. Zudem ist Titan nur sehr schwer zu verarbeiten.

Leider wurde die Blackbird  1998 außer Betrieb gestellt.
Während ihrer aktiven Zeit stürzten insgesamt  12 Maschinen ab. Bei einen der Abstürze kam ein Mensch ums Leben.

Bis heute wurde ihr Rekord, das schnellste Flugzeug der Welt zu sein, nicht gebrochen. jet-534871_1280

Die Hoffnung, einmal in einer Blackbird zu fliegen, werde ich wohl in meiner Liste der nicht realisierbaren Wünsche und Träume hinzufügen müssen.

Haben Sie einen ähnlichen Wunsch oder Traum?

Maren G. Bergmann

 

 

 

Tagebuch Teil 3

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DAS KIRSCHENMÄDCHEN

Sie sitzt immer auf demselben Platz. Von den drei nebeneinanderliegenden Klappsitzen schafft sie es immer den ihr favorisierten Sitzplatz zu bekommen, sodass sie sich in die Ecke kuscheln kann. Schon seit geraumer Zeit steige ich ebenfalls immer in den gleichen Waggon.

Meistens setze ich mich ihr gegenüber und nehme, wenn möglich, den Sitzplatz in der Mitte. Dann kann ich sie besser betrachten.
Wenn ich mich umsehe und ich die Blicke der anderen Fahrgäste deuten soll, so wirken diese eher zurückhaltend. Teilweise sogar misstrauisch. Oftmals bleibt der direkte Sitzplatz neben ihr leer. Nur der dritte Platz ist ebenfalls besetzt, da er dieselben Eigenschaften wie ihr Sitzplatz besitzt. Nur eben spiegelverkehrt. Der Sitz in der Mitte ist hochgeklappt. Zwischen ihr und dem anderen Fahrgast, ein Anzugträger, der mit seinem Smartphone intensiv beschäftigt ist, klafft eine Lücke. Dadurch habe ich einen freien Blick aus dem Fenster und kann die Häuser und Bäume vorbeirauschen sehen. Doch ich sehe nicht aus dem Fenster. Sehe nicht die Bäume, wie deren Blattgrün immer dunkler wird und sich verfärbt, weil der Herbst sich langsam nähert. Sehe nicht die Häuser, an deren Fenstern die Gardinen noch zugezogen sind. Zu sehr ist mein Fokus auf das Kirschenmädchen fixiert.

Ein schmaler Lidstrich und schwarz getuschte Wimpern umranden ihre geschlossenen Augen. Überhaupt ist ihr Make-up eher dezent, da es sich sonst zu ihrer hellen Haut zu sehr abheben würde. Kein Rouge, dafür aber roter Lippenstift. Außerdem braucht sie auch nicht mehr davon, denn das würde nur von ihrem bunten Körperschmuck ablenken. Seidiges, schwarzes Haar legt sich auf ihre Schulter und ist adrett gekämmt, den Pony hat sie immer gerade geschnitten. Ihre Arme hat sie vor der Brust verschränkt, und um ihr linkes Handgelenk schlängelt sich der lederne Gurt der Handtasche. Sie erinnert mich entfernt an Schneewittchen, das gerade vom vergifteten Apfel gekostet hat. Oder wie der Kirschbaum, dessen Ernte bereits eingeholt wurde und nun langsam in den Winterschlaf fällt, bevor er im nächsten Sommer wieder zur vollen Pracht ausschlagen wird.

Das Kirschenmädchen scheint zu schlafen. Ihr Kopf ruht, nach hinten gegen das Fenster gelehnt und rutscht während der Fahrt gemächlich gegen die schmale Trennwand zu ihrer rechten, gefolgt von ihrem Oberkörper. Sollte sie diese Haltung länger beibehalten, prophezeie ich ihr leichte Verspannungen im Schulter-Nackenbereich.

Der Zug hält. Es steigen weitere Fahrgäste ein. Doch niemand nimmt den freien Platz neben ihr für sich in Anspruch. Mit einem Ruck fährt die Bahn wieder an, sodass es ihren Körper kurz durchschüttelt. Doch sie öffnet die Augen nicht. Stattdessen schmiegt sich ihr Kopf noch etwas mehr in die Ecke und sie träumt weiter. Wovon sie wohl gerade träumen mag? Schwarzwälder Kirschtorte vielleicht? Oder das nächste Kirschblütenfest?
Ich lächle in mich hinein. Das alljährliche Kirschblütenfest entlang des Sees wäre ein idealer Ort für sie. Da würde das Kirschenmädchen gut hinpassen. Vielleicht ist sie ja eine Kirschkönigin?

Fasziniert betrachte ich sie weiter. Entdecke immer wieder etwas Neues an ihr. Ungeniert kann ich sie mir ansehen, denn seit ich mich hingesetzt habe, hat sie nicht einmal die Augen geöffnet.

Mein Blick nimmt ihre Kleidung in Augenschein. Heute hat es ein wenig geregnet und sie trägt eine weiße Bluse und eine kurze Jeansjacke. Die Ärmel der Jacke hat sie hochgekrempelt, denn es ist noch nicht zu kalt. Das Revers, der Kragen und die Klappen über den Brusttaschen sind mit mehreren Broschen verziert. Es sind Kirschen.Einzelne Kirschen oder Kirschen die durch den Stiel miteinander verbunden sind. Sobald ein Sonnenstrahl auf die roten Steine trifft, lassen diese den Raum in den schönsten Rottönen erleuchten und hüllen sie ein. Das Kirschenmädchen reist in einer rot erleuchteten Blase aus Licht. Doch sie bekommt es nicht mit.

Meine Augen gehen weiter auf Wanderschaft.
Ihr linker Arm ist komplett tätowiert. Zumindest soweit ich es beurteilen kann und der hochgekrempelte Stoff die Sicht darauf freigibt. Unter anderem entdecke ich dort Kirschen in dem sehr farbenfrohen Tattoo.

Das linke Bein hat sie über das Rechte geschlagen. Da es warm ist, trägt sie keine Strumpfhose. Den engen schwarzen Minirock umringt eine rote Borte, auf dessen linke Seite prangt eine Kirsche. Ihre Füße stecken in Flip-Flops. Unweigerlich frage ich mich, ob sie eine Studentin ist, oder einem geregelten Job nachgeht. Doch zu dieser Frage wird sich wohl nie eine Antwort gesellen. Mein Blick bleibt auf ihren nackten Füßen haften. Die Zehennägel hat sie in einem kräftigen Rot lackiert. Kirschrot, vermute ich. Auf dem linken Spann prangt ein weiteres Tattoo. Es stellt zwei reife Kirschen da. Bei näherer Betrachtung sehe ich, dass diese Kirschen Münder haben. Münder, in denen eine Reihe spitzer Zähne zu sehen sind. Sie schreien. Nach was?
Rufen sie nach einer Person, die sie pflückt, damit man ihren süßen Geschmack nicht vergeudet?

Vielleicht hat dieses Tattoo eine besondere Bedeutung? Doch mir will sich der Sinn nicht ergeben.

Die Bahn hält erneut.

Ich erhebe mich, da ich nun aussteigen muss.

Auf Wiedersehen, Kirschenmädchen. Bis zum nächsten Mal.

Tagebuch Teil 2

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Computerliebe

Es ist bereits nach zwanzig Uhr und im Fernseher läuft die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung, und so weiter, und so fort …

Das klappernde Geräusch begleitet meine Finger, während sie über die Tastatur huschen. Dieses Geräusch ist wie Balsam für meine Seele. Meine Fantasie treibt mich kontinuierlich in den tiefsten Abgrund. Und obwohl ich gerade an einem Bett gefesselt und eingesperrt in einem unterirdischen Bunker liege, beruhigt es mich. Irgendwie.

Während ich hier sitze, und die Buchstaben ihren magischen Auftritt auf dem imaginären Blatt Papier vor mir auf dem Monitor haben, steht eine andere Person plötzlich hinter mir und beobachtet mein Treiben.
Ich spüre seinen Blick im Nacken. Es hat den Anschein, als wollte er mich von hinten hypnotisieren. Sein stummes Drängen arbeitet sich in mein Gehirn vor, bis die Spannung zwischen uns zu stark für mich wird und mit einem lauten Knall, der nur in meinem Kopf zu hören ist, mich blinzeln lässt und ich mich gemächlich zurücklehne.  

»Hallo Spatz! Was gibt es?«, frage ich ihn mit einem zarten Lächeln auf den Lippen, während ich mich mit dem Bürostuhl zu ihm drehe. Natürlich weiß ich genau, was er will.

»Hab ich Post?«, fragt er lakonisch. Und damit ist nicht die Schneckenpost aus dem häuslichen Briefkasten gemeint.

Ich wende mich wieder dem Bildschirm zu, tippe mit dem Cursor der Maus auf die Lasche und das Emailprogramm öffnet sich. Obwohl ich die elektronische Post bereits vor fünf Minuten abgeholt hatte, rufe ich die Mails erneut ab, denn sonst würde er keine Ruhe geben. Es dauert keine fünf Sekunden, dann erzählt das Programm: keine neuen Mails.

Enttäuscht blickt er auf den Monitor. »Keiner mag mich«, und schlurft mit hängenden Schultern aus dem Zimmer.

Ich schreibe weiter.

»Nur dass du das weißt, ich brauche den Computer heute auch noch. Ich muss noch eine Email schreiben und vielleicht noch den Bericht fertigstellen«, werde ich wenig später grob unterbrochen.

Ich schrecke auf, war ich doch so in Gedanken versunken, dass ich sein Kommen nicht wahrgenommen hatte.

»Ja Schatz«, entgegne ich noch total verdattert, denn ich musste erst einmal meine Gedanken sortieren, die noch mit der Ausarbeitung eines Fluchtplans beschäftigt waren, bevor ich ihm meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen kann. »Ich bin gleich fertig. Dann darfst du ran.«

»Wieso nimmst du nicht dein Netbook? Ich wusste von Anfang an, dass du es nicht nutzt!«, entgegnet er vorwurfsvoll.

Die Stirn runzelnd blicke ich ihn an. »Wieso? Ich benutze doch das Netbook. Jeden Morgen nutze ich es«, ist meine Verteidigung auf seinen Tadel.

Wir schauen uns eine Minute schweigend an. Entdecke ich da gerade ein kleines Lodern in seinen Augen?

»Ich weiß, wie du es wieder gutmachen kannst«, entgegnet er mit einem süffisanten Lächeln.

Ich lächle schüchtern zurück. »Ach ja?«, und schaue ihn mit geschürzten Lippen von unten herauf an.

»Ja.«

»Erzähl! Du hast meine ungeteilte Aufmerksamkeit.«
Mit einem verführerischen Schwung, lege ich mein linkes Bein über das Rechte und mein rechter Fuß wandert zu seinem linken Hosenbein. Dabei spielen meine nackten Zehen mit dem Stoff, bis mein Fuß von unten in das Hosenbein wandert und ich neckisch versuche, ihn so zu mir zu ziehen.

»Wie wäre es, wenn du dir ein vernünftiges Laptop zulegst? Das ist dann nur für Dich.«

Das warme Gefühl weicht einem Kalten, als das Hosenbein meinen Fuß freigibt.

Tagebuch

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Kennst du das auch?

Du schreckst hoch, bist verwirrt, schaust auf den Wecker und er schreit dir stumm 04:16 Uhr ins Gesicht.

Eigentlich willst du nur weiterschlafen, denn deine Augen benötigen Streichhölzer als Stützhilfe, damit die Lider überhaupt offen bleiben. Und doch ist da etwas, was dich davon abhält wieder einzuschlafen. Anfangs registrierst du nichts. Dann überkommt dich ein Gefühl.
Es ist ein schleichender Prozess, wenn die Lebensgeister erwachen.
Auf einmal bist du hellwach, als ein Gedanke dir durch den Kopf schießt. Er kommt so gewaltig, dass er sich nicht ignorieren lässt.
Der ganze Prozess dauert gerade mal eine Sekunde. Naja, vielleicht auch zwei. Mehr aber nicht. Und doch fühlt es sich wie Stunden an…

Was ist geschehen?

Ich hatte gestern Abend noch an einer Szene – von meinem aktuellen Thriller-Projekt – gearbeitet. Es steht kurz vor der Vollendung. Gern hätte ich noch mehr geschrieben, als ich am Sonntag Abend den Computer ausschaltete. Doch der Montag kam mit großen Schritten auf mich zu, sodass ich mich dem ergab und ins Bett ging.

Als mein Hirn endlich seine Arbeit aufgenommen hatte, wurde mir plötzlich bewusst, weshalb ich aufgeschreckt war. Mein Unterbewusstsein war mit der Szene nicht zufrieden und wollte sie unbedingt ändern.
Um 04:16 Uhr!!!!
Am Liebsten hätte ich mir selbst den Vogel gezeigt.

Also drehte ich mich auf die Seite und ignorierte das pochende Hämmern in meinem Kopf. Die Worte, die plötzlich durch diese imaginäre Tür nach draußen ausbrechen wollten. Mit dem Erfolg, dass ich nicht mehr einschlafen konnte.
Um 05:48 Uhr habe ich dann nachgegeben.
Ich habe mein Netbook aufgeklappt und die Szene umgeschrieben. Hoffentlich zur Zufriedenheit meines Unterbewusstseins …

Ich wünsche Dir einen schönen Start in die Woche mit hoffentlich angenehmen Träumen in der Nacht.

Maren G. Bergmann